EU AI Act · Art. 4 KI-Kompetenz · Rechtslage Deutschland

KI-Beauftragter & AI Act Schulung:
Was Pflicht ist – und was nicht.

Braucht Ihr Unternehmen einen KI-Beauftragten? Muss eine KI-Schulung zertifiziert sein? Wir fassen die Rechtslage zusammen, zeigen, was Art. 4 EU AI Act wirklich verlangt, und wie sich daraus ein sauberes, dokumentiertes Schulungskonzept ableiten lässt.

Stand: August 2026·Lesezeit: ca. 8 Minuten·Erstellt mit Kanzlei Özdag·Direkt zur FAQ ↓

Kurz gesagt

Kein Pflicht-Amt. Der „KI-Beauftragte“ ist – anders als der Datenschutzbeauftragte – keine gesetzlich definierte Funktion.
Keine Zertifizierungspflicht. Weder Schulungen noch Schulungsanbieter brauchen in Deutschland eine staatliche Zulassung, TÜV- oder IHK-Zertifizierung.
Aber: Art. 4 gilt. Anbieter und Betreiber von KI müssen für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden sorgen – risikobasiert und dokumentiert.

Rechtslage

Was der EU AI Act tatsächlich verlangt

Relevant ist insbesondere Art. 4 EU AI Act (KI-Kompetenz / AI Literacy). Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen Maßnahmen ergreifen, damit die mit KI befassten Personen entsprechende KI-Kompetenz entwickeln. Dabei sollen technisches Wissen, Erfahrung, Ausbildung, der konkrete Einsatzkontext und die betroffenen Personengruppen berücksichtigt werden.

„Die KI-Verordnung sieht keine Zertifizierungspflicht für in Anspruch genommene Schulungen oder Qualifizierungsmaßnahmen vor.“ — Bundesnetzagentur zur KI-Kompetenz nach Art. 4 KI-VO

Schulungen dürfen intern oder extern durchgeführt werden. Die Bundesnetzagentur stellt außerdem klar, dass weder die Einführung eines KI-Beauftragten noch externe Zertifizierungen oder standardisierte Trainings vorgeschrieben sind.

Was das für Schulungsanbieter bedeutet

Ein Anbieter wie SES IT und Web Solutions kann solche Schulungen kommerziell anbieten, ohne vorher eine besondere behördliche Zertifizierung als Schulungsanbieter zu benötigen. Eine wichtige Feinheit betrifft das Marketing: Wir bezeichnen unsere Abschlüsse als „KI-Beauftragter / AI Officer – Qualifizierung nach EU AI Act (SES-Lehrgangszertifikat)“. Es handelt sich um ein privates Lehrgangszertifikat und nicht um einen gesetzlich geschützten Berufsabschluss. Aussagen wie „staatlich zertifiziert nach EU AI Act“ wären irreführend – und die verwenden wir bewusst nicht.

Warum eine Pauschalschulung nicht reicht

Ein vierstündiger Standardkurs für alle mit anschließender Bescheinigung „AI-Act-konform“ entspricht nicht dem risikobasierten Ansatz der Verordnung. Entscheidend sind die konkrete Organisation, ihre Rolle (Anbieter oder Betreiber), die eingesetzten KI-Systeme, deren Risiken und die Vorkenntnisse der Personen. Außerdem soll KI-Kompetenz kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Unsere Formate

Vier Schulungsformate – nach Rolle und Risiko

FormatZielgruppeUmfangInhalt
AI Act AwarenessAlle Mitarbeitenden2–4 StundenGrundlagen KI, Chancen & Risiken, Unternehmensrichtlinie, Art. 4 – der gemeinsame Mindeststandard.
AI Act PractitionerMitarbeitende, die KI aktiv einsetzen1 TagSicheres Prompting, Datenschutz im Alltag, Shadow AI, Transparenzpflichten, Umgang mit Halluzinationen.
KI-Beauftragter / AI OfficerIT, Compliance, Management2–4 Tage · 20–30 UE · PrüfungUmfassende Qualifizierung mit Schwerpunkt EU AI Act & AI Governance, Praxisprojekt und SES-Lehrgangszertifikat.
AI Governance WorkshopGeschäftsführung, IT, DSB1–2 TageAI Policy, Freigabeprozess, Verantwortlichkeiten, Risikomanagement – auf Ihr Unternehmen zugeschnitten.

Lehrplan

Module des Lehrgangs „KI-Beauftragter / AI Officer“

Deutlich mehr als „Was ist ChatGPT?“ – 20–30 Unterrichtseinheiten mit Praxisprojekt und Prüfung.

  1. 01
    Grundlagen KI

    LLMs, Machine Learning, GenAI, RAG, Agents, Training vs. Inference, Halluzinationen, Bias.

  2. 02
    EU AI Act

    Rollen Provider/Deployer, Risikoklassen, verbotene Praktiken, High-Risk AI, GPAI, Transparenzpflichten, Art. 4 AI Literacy.

  3. 03
    KI-Inventarisierung

    Welche KI-Systeme gibt es im Unternehmen? Verantwortliche, Anbieter, Daten, Einsatzzweck, Nutzer.

  4. 04
    AI Risk Assessment

    Use Case → KI-System → Rolle → Risikoklasse → regulatorische Anforderungen → Maßnahmen.

  5. 05
    Datenschutz

    DSGVO, personenbezogene Daten, Auftragsverarbeitung, Drittlandtransfer, DSFA, Mitarbeiterdaten.

  6. 06
    Informationssicherheit

    Prompt Injection, Data Leakage, RAG Security, Secrets, Shadow AI, Supply Chain, Zugriffskontrolle.

  7. 07
    AI Governance

    AI Policy, Freigabeprozess, Verantwortlichkeiten, Dokumentation, Incident- und Change-Management.

  8. 08
    Aufgaben des KI-Beauftragten

    AI Inventory führen, Projekte bewerten, Fachbereiche beraten, Schulungen koordinieren, Risiken eskalieren, Compliance dokumentieren.

  9. 09
    Praxisprojekt

    Bewertung eines fiktiven Unternehmens, das Microsoft Copilot, ChatGPT Enterprise und ein eigenes Recruiting-KI-System einführen will.

  10. 10
    Abschlussprüfung

    Multiple Choice + Fallstudie + kurze Präsentation. Zertifikat: privates Lehrgangszertifikat von SES IT und Web Solutions.

Zu jedem Lehrgang gehört ein professioneller Lehrplan mit Lernzielen, Zielgruppen, Voraussetzungen, Unterrichtseinheiten, Übungen, Prüfung, Bewertungsschema, Teilnahme-/Prüfungsnachweis, Curriculum-Version und verwendetem Rechtsstand.

Vorgehen

Vom Assessment zum wiederkehrenden Compliance-Service

01AI Literacy Assessment

Mitarbeitende → Rolle → verwendete KI → Risiko → erforderliche Kompetenz. Das Ergebnis ist der tatsächliche Schulungsbedarf, nicht ein Pauschalkurs.

02Schulungsmatrix

Management → AI Governance · Entwicklung → AI Act + Secure AI Development · HR → High-Risk Employment AI · Marketing → GenAI, Urheberrecht, Transparenz · alle → Awareness.

03KI-Beauftragten-Ausbildung

1–3 interne Personen werden intensiv qualifiziert und übernehmen die Rolle dauerhaft.

04Dokumentation

AI Literacy Policy, Training Matrix, Training Records, AI System Inventory, Risk Classification, Teilnehmer- und Prüfungsnachweise.

05Jährlicher Refresh

KI-Kompetenz soll kontinuierlich weiterentwickelt werden. Aus der Einmalschulung wird ein wiederkehrender Compliance-Service.

Für größere Organisationen ist zusätzlich ISO/IEC 42001 (AI Management System) strategisch interessant – eine Unternehmenszertifizierung, keine persönliche Trainerzulassung. Wir begleiten auf Wunsch die Vorbereitung.

FAQ

Häufige Fragen zu KI-Beauftragtem und AI Act

01Ist ein KI-Beauftragter in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. Anders als der Datenschutzbeauftragte ist der „KI-Beauftragte“ keine gesetzlich definierte oder vorgeschriebene Funktion. Die Bundesnetzagentur stellt ausdrücklich klar, dass weder die Einführung eines KI-Beauftragten noch externe Zertifizierungen oder standardisierte Trainings für die Erfüllung der KI-Kompetenzanforderungen vorgeschrieben sind. Ein interner KI-Beauftragter ist dennoch ein sinnvolles Organisationsinstrument, um die Pflichten aus dem EU AI Act im Unternehmen zu bündeln.

02Was verlangt Art. 4 EU AI Act (KI-Kompetenz / AI Literacy) konkret?

Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen Maßnahmen ergreifen, damit ihr Personal und andere mit dem Betrieb befasste Personen über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Zu berücksichtigen sind dabei technisches Wissen, Erfahrung, Ausbildung, der konkrete Einsatzkontext der KI-Systeme und die Personengruppen, bei denen die Systeme eingesetzt werden. Die Pflicht ist risikobasiert: Ein Entwickler, der ein KI-System baut, braucht andere Kompetenzen als eine Sachbearbeiterin, die ChatGPT für E-Mails nutzt.

03Müssen KI-Schulungen nach dem AI Act zertifiziert sein?

Nein. Die Bundesnetzagentur formuliert wörtlich: „Die KI-Verordnung sieht keine Zertifizierungspflicht für in Anspruch genommene Schulungen oder Qualifizierungsmaßnahmen vor.“ Schulungen dürfen intern oder extern durchgeführt werden. Entscheidend ist, dass die Maßnahmen zur Organisation, zu den eingesetzten KI-Systemen und zum Vorwissen der Beteiligten passen – und dass sie dokumentiert werden.

04Braucht ein Schulungsanbieter eine staatliche Zulassung, um KI-Beauftragte auszubilden?

Nein. In Deutschland ist derzeit weder eine staatliche Zulassung, eine TÜV-Zertifizierung noch ein IHK-Zertifikat erforderlich, um Unternehmen zum AI Act zu schulen oder Personen als KI-Beauftragte auszubilden. Wichtig ist die saubere Kommunikation: Ein Lehrgangszertifikat eines privaten Anbieters ist ein privates Zertifikat und kein staatlich anerkannter oder gesetzlich geschützter Abschluss. Irreführende Aussagen wie „staatlich zertifizierter KI-Beauftragter nach EU AI Act“ sollten vermieden werden.

05Ist das IHK-Zertifikat „Betrieblicher KI-Beauftragter“ Pflicht?

Nein. IHK-Lehrgänge zum betrieblichen KI-Beauftragten sind ein anerkanntes und sinnvolles Weiterbildungsangebot, aber kein gesetzlich erforderlicher Befähigungsnachweis. Das Zertifikat wird dort typischerweise auf Basis von Mindestanwesenheit (z. B. 80 %), Projektarbeit, Präsentation und Fachgespräch vergeben. Vergleichbare Qualifikationen können auch durch andere Anbieter oder intern vermittelt werden.

06Reicht eine einheitliche 4-Stunden-Schulung für alle Mitarbeitenden aus?

In der Regel nicht. Der AI Act verfolgt einen risikobasierten Ansatz: Rolle, eingesetzte KI-Systeme, deren Risiken und das Vorwissen der Personen bestimmen den Schulungsbedarf. Eine Awareness-Schulung für alle ist ein guter Grundstein, muss aber für Entwickler, HR, Management oder Compliance um passende Vertiefungen ergänzt werden. Außerdem soll KI-Kompetenz kontinuierlich weiterentwickelt werden – ein jährlicher Refresh ist empfehlenswert.

07Welche Dokumentation sollte ein Unternehmen zur KI-Kompetenz führen?

Die Bundesnetzagentur empfiehlt ausdrücklich, Maßnahmen nachvollziehbar zu dokumentieren – insbesondere Inhalte, Teilnehmende, Umfang und Datum. Praxisbewährt sind: eine AI-Literacy-Policy, eine Schulungsmatrix (Rolle → Schulung), Training Records, ein KI-System-Inventar, die Risikoklassifizierung der eingesetzten Systeme sowie Teilnahme- und Prüfungsnachweise.

08Welche Aufgaben hat ein interner KI-Beauftragter?

Typische Aufgaben: das KI-Inventar führen, neue KI-Projekte und Tools bewerten (Rolle, Risikoklasse, Anforderungen), Fachbereiche beraten, Schulungen koordinieren, Risiken an die Geschäftsführung eskalieren und die Compliance-Dokumentation pflegen. Er ist Schnittstelle zwischen IT, Datenschutz, Compliance und Management.

09Was ist der Unterschied zwischen Anbieter (Provider) und Betreiber (Deployer) im AI Act?

Anbieter entwickeln ein KI-System oder lassen es entwickeln und bringen es unter eigenem Namen in Verkehr. Betreiber setzen ein KI-System in eigener Verantwortung ein – das ist die Rolle der meisten Unternehmen, die z. B. Microsoft Copilot oder ChatGPT Enterprise nutzen. Die Pflichten unterscheiden sich deutlich; wer ein Modell stark anpasst oder unter eigener Marke anbietet, kann allerdings selbst zum Anbieter werden.

10Was ist ISO/IEC 42001 und wann lohnt sich das?

ISO/IEC 42001 ist der internationale Standard für KI-Managementsysteme (AI Management System). Er ist keine persönliche Qualifikation, sondern eine Unternehmenszertifizierung – vergleichbar mit ISO 27001 für Informationssicherheit. Für Unternehmen, die KI strategisch und in größerem Umfang einsetzen oder Kunden gegenüber Nachweise erbringen müssen, ist er deutlich relevanter als einzelne Trainerzertifikate.

11Was bietet SES IT und Web Solutions zum EU AI Act an?

Vier aufeinander aufbauende Formate: AI Act Awareness (alle Mitarbeitenden, 2–4 h), AI Act Practitioner (KI-Anwender, 1 Tag), KI-Beauftragter / AI Officer (IT, Compliance, Management, 2–4 Tage mit Prüfung und SES-Lehrgangszertifikat) sowie ein AI Governance Workshop für Geschäftsführung, IT und Datenschutzbeauftragte (1–2 Tage). Dazu ein 5-Phasen-Modell von der AI-Literacy-Analyse bis zum jährlichen Refresh. Die rechtlichen Inhalte erarbeiten wir gemeinsam mit der Kanzlei Özdag (Nürnberg); bei juristischen Fragen können sich Kunden auch direkt an die Kanzlei wenden. Unsere Zertifikate sind private Lehrgangszertifikate – wir kommunizieren das transparent.

Gemeinsam erstellt

Kanzlei Özdag Logo

Rechtlich geprüft mit der Kanzlei Özdag

Diesen Beitrag haben wir gemeinsam mit Rechtsanwalt Dersim Özdag (Kanzlei Özdag, Nürnberg – IT-Recht, Datenschutz, KI-Compliance und zertifizierter Mediator) erarbeitet. Die technische Umsetzung und die Schulungen kommen von SES IT und Web Solutions, die rechtliche Einordnung von der Kanzlei.

Bei rechtlichen Fragen – etwa zur Rollenbestimmung nach dem AI Act, zu Verträgen mit KI-Anbietern oder zu Datenschutzfolgen – können Sie sich auch direkt an die Kanzlei Özdag wenden:

Nächster Schritt

AI-Literacy-Assessment für Ihr Unternehmen

In einem kostenfreien Erstgespräch klären wir Ihre Rolle nach dem AI Act, die eingesetzten KI-Systeme und den realen Schulungsbedarf.

Hinweis: Diese Seite fasst die Rechtslage nach unserem Kenntnisstand (August 2026) zusammen, erstellt in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Özdag, und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Unsere Zertifikate sind private Lehrgangszertifikate von SES IT und Web Solutions.